PFLANZE DES MONATS MÄRZ (2017)

PFLANZE DES MONATS MÄRZ (2017)

Huflattich
Tussilago farfara (Asteraceae)

An Weg- und Straßenrändern, Bahndämmen, Bachufern, auf Schuttplätzen und in Steinbrüchen findet man ab März, bei guter Witterung sogar schon im Februar, die kleinen Blütensonnen. Die kleinen Blüten gehören neben den Weidekätzchen und den Kätzchen der Haselnuss zur ersten Bienenweide. Der Huflattich ist eine sogenannte Zeigerpflanze und deutet auf einen basischen, verdichteten Boden hin. Die Blüten erscheinen, lange bevor die an einen Hufabdruck erinnernden Blätter sich entwickeln. „Filius ante patrem“ nannte man im Mittelalter den Huflattich, der Sohn vor dem Vater.
Charakteristisch für die kleine Staude aus der Familie der Korbblütler sind die gelben, 2-3 cm großen, Blütenköpfchen mit den Zungen- und Röhrenblüten. Die gelben Blütensonnen verströmen einen süßen Honigduft und locken damit die ersten nektarsuchenden Insekten des Jahres an. Die Blütenstiele weisen rötliche, filzig behaarte Schuppenblätter auf. Wie schon erwähnt erscheinen die grundständigen Blätter erst nach dem Verblühen der Blüte. Ihre besondere Form, welche als rundlich bis herzförmig beschrieben wird, ist spitz gezähnt und lang gestielt. Die Blattunterseite graufilzig behaart. Ältere Blätter zeigen die namengebende Hufform. Nach der Befruchtung der Blüten, erscheint die für Korbblütler typische Pusteblume. Die Früchte des Huflattichs sind mit kleinen Flugschirmchen (Pappus) versehen, so dass Wind und Tiere die Verbreitung der Pflanze übernehmen. Wenn wir dem Huflattich in der Natur begegnen, so fällt uns auf, dass er gerne in Gruppen wächst. Bei genauerer Untersuchung zeigt sich, dass ein weitverzweigtes, kriechendes Wurzelsystem für das massenhafte Auftreten der kleinen Blütensonnen verantwortlich ist.


Name
Der Huflattich verrät mit seinen Namen, zumindest mit seinem botanischen gleich seine Heilwirkung! „Tussis“ bedeutet Husten und „ago“ wird mit „ich vertreibe“ übersetzt. „Farfara“ ist die Bezeichnung für Mehl. Kurz: Ich vertreibe Husten und habe mehlige Blätter! Da die Blätter des Huflattichs in ihrer Form an Pferdehufe erinnern, ist die deutsche Bezeichnung der Pflanze schnell erklärt. Andere Namen sind Hustenkraut, Brandlattich, Tabakskraut oder Brustblümle.

Geschichte
Der Pferde- oder Eselsfuß ist eine alte Heilpflanze und war einst der keltischen Pferdegöttin Epona geweiht. Schon die Heilkundigen der Antike lobten die Heilkraft der kleinen Pflanze. Unter der Bezeichnung „bechion“ empfahlen Dioskurides, Plinius und Galen die Pflanze. Plinius (1. Jh. n. Chr.) gib dazu genaue Anweisungen: „Bei veraltetem Husten sollen wir Huflattichwurzeln auf glühende Zypressenkohlen legen und den entstehenden Rauch durch einen Trichter einatmen.“ Üblich war, aus den Blättern Asthmazigaretten zu drehen und diese zu rauchen. Der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle empfahl dazu eine Mischung aus Huflattich, Spitzwegerich, Minze und Waldmeister. Diesen Pfeifentabak verwendete Künzle zur Behandlung von Asthma. Der Rauch regeneriert die Atemwege und reinigt die Lunge von Schadstoffen. Tabak entzieht der Lunge Feuchtigkeit, Huflattich dagegen befeuchtet die Lunge.

Verwechslung
Huflattich kann mit Pestwurzarten
(Petasites hybridus) verwechselt werden. Pestwurz-Blätter sind dunkler grün, können bis zu 90 cm groß werden und unterseits nur schwach silbrig. Die Stängel sind gefurcht.

Inhaltsstoffe
Schleim, Inulin, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide, Saponine, Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Eisen, Phosphor, Salpetersäure, Schwefel und Silizium, Pyrrolizidinalkaloide (PA).

Huflattich enthält in Spuren das Alkaloid Pyrrolizidin, dass in hohen Konzentrationen leberschädigend und krebserregend ist. Neueste Forschungen jedoch belegen, dass diese Alkaloide zum allergrößten Teil ungiftig sind. Wer dies grundsätzlich vermeiden möchte kauft entweder in der Apotheke PA-freie Ware und trinkt den Tee lediglich 4-6 Wochen im Jahr.


Heilwirkungen
Huflattich wirkt schleimfördernd und schleimhautschützend, er lindert den Hustenreiz, wirkt krampflösend und entzündungshemmend.

Nebenwirkungen

Huflattich sollte nicht während der Schwangerschaft, Stillzeit und bei kleinen Kindern eingesetzt werden

Anwendungen
Huflattich ist eines der wichtigsten Hustenmittel. Sein Einsatzgebiet reicht von Heiserkeit, über Reizhusten bis hin zu chronischer Bronchitis. Die in der Pflanze enthaltenen Schleimstoffe legen eine hauchdünne Schleimschicht über die gereizten Schleimhäute und lindern so den Hustenreiz und nehmen auch den Schmerz. Bedingt durch den hohen Gerbstoffgehalt festigt der Huflattich die Schleimhäute und stärkt sie. Die in der Pflanze enthaltenen Bitterstoffe regen das Immunsystem an und unterstützen so die Heilung. Huflattich weist einen hohen Salpetergehalt auf. Dieser bewirkt, dass die Krampfbereitschaft der Bronchien gesenkt wird und sich festsitzender Schleim lösen kann. Zu guter Letzt wirkt der hohe Schwefelgehalt der Pflanze antiseptisch und entzündungshemmend.


Tagesdosis
Tee 4-6g Blätter (Farfarae folium)
Teezubereitungen:

Bei Bronchitis: 1 Tl getrocknete Blätter für 200 – 250 ml heißes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen.

Bei Reizhusten: 1 Tl getrocknete Blätter für 200 – 250 ml lauwarmes Wasser, ca. 60 Minuten bedeckt ziehen lassen, immer wieder umrühren und danach schluckweise trinken.

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Huflattich Blätter und Blüten Foto: Privat

Heilsames
Huflattich-Gesichtswasser
Ein Weißglas mit Huflattichblüten befüllen und mit 40%igem Alkohol übergießen. Glas verschließen und nach 3 Wochen abgießen und mit der gleichen Menge Rosenwasser (Apotheke/Reformhaus) mischen. Das Gesichtswasser eignet sich für unreine, fettige und entzündete Haut.

Kräuterhonig

  • ca. 2 cm Huflattichblüten in ein Weißglas (Marmeladeglas) füllen und leicht andrücken. Mit einem guten Honig übergießen, so dass die Blüten bedeckt sind. Das verschlossene Glas auf die sonnige Fensterbank stellen.

  • Nacheinander können dann Schlüsselblumenblüten, Veilchen-, Malven-, Königskerzenblüten, Thymian, Spitzwegerich eingefüllt werden. Wichtig ist, dass jede Schicht mit Honig „versiegelt“ wird.

  • Nach der letzten Schicht die Honigmischung noch 2 Wochen ziehen lassen. Dann absieben und in ein sauberes Glas umfüllen. Bei Bedarf 2 bis 3 mal täglich einen Teelöffel von der Mischung genießen.

Der Kräuterhonig wird bei Husten und Erkältungen gerade von Kindern gerne genommen.

Wichtig! Sauber arbeiten, da die Mischung leicht zu Gären anfängt.

Schon gewusst?
Die Indianer Nordamerikas trockneten Huflattich-Blätter und verbrannten diese anschließend. Die Ascherückstände verwendeten sie anstelle von Salz. Dieses Huflattich-Salz ist im Geschmack jedoch anders als herkömmliches Speisesalz, da es viel Kalium und wenig Natrium enthält, was unserem Organismus zuträglicher wäre.

Quellen

  • Bühring, Ursel; „Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Grundlagen-Anwendung – Therapie“; Sonntag Verlag Stuttgart, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2009 ISBN: 978-38304-9163-7

  • Bühring, Ursel; 2 „Aus Freya‘s Zaubergarten“ 1 ; Edition Achillea, Freiburg 1992

  • Couplan, Francois; „Wildpflanzen für die Küche“; AT Verlag Aarau, München, 2. Auflage 1998 ISBN: 3-85502-571-1

  • Fischer-Rizzi, Susanne; „Medizin der Erde, Legenden, Mythen, Heilanwendungen und Betrachtungen unserer Heilpflanzen“; Wilhelm Heyne Verlag Taschenbuchausgabe 11/99 2. Auflage ISBN: 3-453-16245

  • Hirsch, Siegrid; Grünberger, Felix; „Die Kräuter in meinem Garten“; Freya-Verlag 2012 (Neuüberarbeitung) ISBN: 978-3-902134-79-0

  • Künzle, Johann, Pfarrer.; „Das große Kräuterheilbuch, Ratgeber für gesunde und kranke Tage“; 1945 Verlag Otto Walter AG Olten

  • Lingg, Adelheid; „Das HeilpflanzenJahr – Selbst heilen mitt der Kraft der Pflanzen“ ; Franckh-Kosmos Verlags GmbH Stuttgart 2015; ISBN 978-3-440-14547-0

  • Puhle, Annekathrin, Trott-Tschepe, Jürgen, Möller, Birgit; „Heilpflanzen für die Gesundheit“; Franckh-Kosmos Verlags-GmbH Stuttgart 2013 ISBN: 978-3-440-12235-8

  • Stumpf Dr., Ursula; „Unsere Heilkräuter, bestimmen und anwenden“; Franckh-Kosmos Verlags GmbH Stuttgart 2012 ISBN: 978-3-440-12705-6

  • Stumpf Dr., Ursula; „Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter“; Franckh-Kosmos Verlags GmbH Stuttgart 2010; ISBN 978-3-440-12236-5

Heidrun Johner-Allmoslöchner, zertifizierte Heilpflanzenfachfrau, Leimen; www.naturwerkstatt-artemisia.de

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