Pflanze des Monats Mai 2021 Schöllkraut – Chelidonium majus

Pflanze des Monats Mai 2021 Schöllkraut – Chelidonium majus

Pflanze des Monats Mai

Schöllkraut – Chelidonium majus

Mohngewächse – Papaveraceae

Schöllkraut am Wegesrand Foto:Heidrun Johner-Allmoslöchner

Botanik

Schöllkraut zählt zu den sogenannten Kulturfolgern. Das bedeutet, dass die Pflanze besonders gerne an menschlichen Behausungen gedeiht. Mauern, Burgen, Ruinen, Hecken, Schuttplätze, Bahndämme und Wegränder sind ihr bevorzugter Standort. Schöllkraut ist eine Zeigerpflanze für Stickstoff. Das Mohngewächs ist ausdauernd und blüht von April bis November. Die Staude erreicht je nach Standort und Nährstoffversorgung eine Höhe von 30 bis 80 cm. Die Pflanze hat runde, verzweigte Stängel, mit abstehenden Haaren. Die Blätter sind gefiedert und unregelmäßig gelappt. Goldgrün zeigt sich die Blattoberseite, die Unterseite blaugrün. Wurzel, Stängel und Blätter enthalten einen gelb-orangenen Milchsaft, der austritt, wenn die Pflanze verletzt wird. Schöllkrautsblüten sind doldenähnlich mit 2-8 Blüten angeordnet. Goldgelb ist die Farbe der Kronblätter, die gesamte, lang gestielte Blüte ist 1-2 cm breit. Nach der Blüte bildet sich eine 2-5 cm lange Schote aus, deren schwarze Samen ein weißes Anhängsel haben, welches vor allem bei Ameisen sehr beliebt ist.

Das Verbreitungsgebiet des Schöllkrauts erstreckt sich von Nord- und Zentraleuropa über das Mittelmeergebiet, Asien und Nordamerika.

Name

Chelidonium majus so lautet die botanische Bezeichnung für das Schöllkraut. Für die Namensdeutung gibt es zwei Möglichkeiten. Eine Erklärung kommt aus dem Lateinischen, „Coeli donum“ und wird mit „Himmelsgabe“ übersetzt. Alchimisten gaben der Pflanze diesen Namen. Die gelbe Blütenfarbe und vor allem der gelb-orange Milchsaft, der in der Wurzel und im Kraut vorkommt, inspirierte sie dazu, die Pflanze zur „Goldherstellung“ zu nutzen. Die zweite Namensdeutung entstammt der griechischen Sprache. „Chelidon“ wird mit „Schwalbe“ übersetzt. Die Bezeichnung „Schwalbenwurz“ ist sehr alt und geht auf Aristoteles zurück. Dieser berichtete, dass Schwalbenmütter ihren Jungen das Kraut auf die Augen streichen, damit sie diese öffnen und gut sehen können. „Majus“ bedeutet groß.

Der deutsche Name „Schöllkraut“ ist vermutlich eine „verdeutschte“ Form von Chelidonium.

Andere Namen:

Augenkraut, Blutkraut, Fußkraut, Gottesgabe, Goldkraut, Gilbkraut, Gelbsuchtkraut, Gelbes Mundfäulkraut, Gallkraut, Geschwulstkraut, Grindwurtz, Krätzenkraut, Krötenkraut, Himmelsgabe, Herrgottsblatt, Herrgottsgnade, Marienkraut, Milchblume, Lichtkraut, Lichtwurz, Schwalbenwurz, Schinnkraut, Schwindwurz, Trudenmilchkraut, Warzenkraut,…

Geschichte

Schöllkraut gehört zu den Pflanzen, die schon lange vom Menschen als Heilpflanze genutzt wird. Gemäß der Signaturenlehre w die Pflanze vor allem Jupiter (gelbe Blütenfarbe, gelber Milchsaft) und Mars (scharfer Geschmack) zugeordnet.

Eine der bekanntesten Geschichten über das Schöllkraut und seine Heilwirkung erzählt davon, dass der Maler Albrecht Dürer (1471 bis 1528) unter Milzbeschwerden und einer Leberschwellung gelitten haben soll. Da der Arzt seines Vertrauens nicht vor Ort war, erstellte er kurzerhand ein Selbstbildnis, auf dem er auf die schmerzende Stelle zeigte. „Da, wo der gelbe Fleck ist und worauf ich mit dem Finger deute, da tut es mir weh:“ Das vom Arzt verordnete Schöllkraut half Dürer, der ihm zum Dank ein Bild von der Pflanze schenkte, das heute in Wien in der Albertina zu sehen ist.

blühendes Schöllkraut mit Samenschoten Foto: Heidrun Johner-Allmoslöchner

Verwechslung

keine

Inhaltsstoffe

Alkaloide (v.a. Chelidonin, Sanguinarin, Berberin), Chelidonsäure, Citronensäure, Kaffeesäure, Flavonoide, Carotinoide, proteolytische Enzyme, Saponine, wenig ätherisches Öl

Heilwirkung

gallebildend, -treibend, (gallen)steinbrechend, krampflösend auf die glatte Muskulatur, schmerzlindernd, zentral sedierend, antimikrobiell, antiviral, krebsfeindlich, hautreizend, zellteilungshemmend

Nebenwirkungen/Gegenanzeigen

Nebenwirkungen sind nicht bekannt, jedoch ist bei Überdosierung oder falscher Anwendung ein Anstieg der Transaminasen möglich.

Gegenanzeigen, sind Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder unter 12 Jahren. Ebenso akut entzündliche Lebererkrankungen. Bei Gallensteinen, sowie Verschluss der Gallenwege, die Pflanze nur nach Absprache mit dem Arzt anwenden!

Giftwirkung

Der Gehalt an Alkaloiden hängt vom Standort, der Nährstoffversorgung und vom Sammelzeitpunkt ab. Eine wichtige Rolle spielt die persönliche Konstitution der betroffenen Person und die Dosis bzw. verzehrte Menge. In der Wurzel ist der höchste Alkaloid-Gehalt. Insgesamt ist im Spätsommer, an trocken-heißen Tagen der Alkaloidgehalt in der Pflanze am höchsten. In der frischen Pflanze sind mehr Giftstoffe zu finden, als in der getrockneten.

Äußerlich aufgetragen kann es lokal zu Hautreizungen kommen

Schmerzen und Brennen im gesamten Verdauungstrakt, blutige Durchfälle mit schmerzhaften Koliken, Atembeschwerden bis Atemlähmungen die im Extremfall zum Tod führen können.

orange-gelber Milchsaft Foto: Heidrun Johner-Allmoslöchner

Anwendung

Innerlich

Bei krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Traktes. Bei rechtsseitiger Migräne (gestörter Gallenfluss), begleitend bei Brustkrebs (häufig Gallenstörung als Vorerkrankung), ständiger Müdigkeit (die Leber zeigt ihren „Schmerz“ durch Müdigkeit), Hautkrankheiten bedingt durch gestörten Leberstoffwechsel (z.B. chronische Ekzeme, Psoriasis, juckende Ausschläge), asthmatische Anfälle, chronischer Reizhusten.

Äußerlich

Der gelb-orange Saft kann bei abnehmendem Mond mehrmals täglich auf die Warze bzw. auf Hühneraugen aufgetragen werden.

Tagesdosis

2-5g Droge bzw. 12-20 mg Gesamtalkaloide, berechnet als Chelidonin. Bei flüssigen oder festen Extrakten 8-15 mg Gesamtalkaloide/Chelidonin, max. 4 Wochen lang. Die Tagesdosis an Gesamtalkaloiden sollte 5mg nicht überschreiten.

Verwendung

Frisches Kraut → Milchsaft, Tee, Tinktur, Fertigpräparate, Homöopathie

Samenschoten des Schöllkraut Foto: Heidrun Johner-Allmoslöchner

Heilsames

Schöllkraut-Tinktur nach Johann Gottfried Rademacher

Man nimmt: frisches, blühendes Schöllkraut in beliebiger Menge, zerstößt selbiges in einem steinernen Mörser, preßt es stark aus, und vermengt den erhaltenen Saft mit gleichen Teilen höchst rectificirtem Weingeist (90%). Unter öfterem Umschütteln digerirt man einige Rage hindurch (ziehen lassen) und filtriert dann (Kaffeefilter).

Diese Tinktur hilft bei Gallenleiden wie Gallensteinen, Beschwerden nach einer Gallenoperation, Gallengangentzündung hilft sie besonders bei krampfartigen allenbeschwerden mit Neigung zu Koliken.

Auch wird sie verwendet bei Leberleiden wie Gelbsucht, besonders mit Ikterus (starker Gelbfärbung der Haut und Augenweiß) und Lebeschwellung.

Anwendung nach Susanne Fischer-Rizzi

Händebad nach Ursula Stumpf

Gönnen Sie es sich nach einem Tag voller Ärger. Nehmen Sie eine kleine Handvoll frisches Schöllkraut und erhitzen es in 1 Liter Wasser zum Kochen.Lassen Sie es so weit abkühlen, bis Sie Ihre Hände etwa 10 Minuten darin baden können. Das entspannt und beruhigt und erreicht über die Reflexzonen an den Händen auch eine Reinigung der inneren Organe. Danach sieht das Leben gleich ganz anders aus.

Schöllkraut-Tee

2 TL Schöllkraut werden mit ¼ l kochendem Wasser überbrüht und 10 Minuten ziehen lassen. 2-3 Tassen täglich. Nach ärztlicher Absprache als Kur4-6 Wochen lang bei Magen-Darm- und Gallebeschwerden.

Quellen

  • Bäumler, Siegfried; „Heilpflanzen Praxis Heute“ Porträts, Rezepturen, Anwendungen; Urban & Fischer Sonderausgabe 1. Auflage 2007 ISBN: 978-3-437-57271-5

  • Bühring, Ursel; „Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Grundlagen-Anwendung – Therapie“; Sonntag Verlag Stuttgart, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2009 ISBN: 978-3- 8304-9163-7

  • Fischer-Rizzi, Susanne; „Medizin der Erde, Legenden, Mythen, Heilanwendungen und Betrachtungen unserer Heilpflanzen“; Wilhelm Heyne Verlag Taschenbuchausgabe 11/99 2. Auflage ISBN: 3-453-16245

  • Gebauer, Rosemarie; „Jungfer im Grünen und Tausendgüldenkraut – Vom Zauber alter Pflanzennamen“;Transit Buchverlag 10605 Berlin; ISBN: 978 3 88747 3297

  • Madejsky, Margret; „Lexikon der Frauenkräuter, Inhaltsstoffe, Wirkungen, Signaturen und Anwendungen“; AT-Verlag Aarau, München 2. Auflage 2009 ISBN: 978-3-03800-417-2

  • Madejsky, Margret; Rippe, Olaf; „ Heilmittel der Sonne – Mythen, Pflanzenwissen, Rezepte und Anwendungen“; AT-Verlag Aarau und München 2013; ISBN: 978-3-03800-744-9

  • Pahlow, M.; „Das große Buch der Heilpflanzen, Gesund durch die Heilkräfte der Natur“; Weltbild Verlag 2006 ISBN:3-8289-183

  • Puhle, Annekathrin, Trott-Tschepe, Jürgen, Möller, Birgit; „Heilpflanzen für die Gesundheit“; Franckh-Kosmos Verlags-GmbH Stuttgart 2013 ISBN: 978-3-440-12235-8

  • Scherf, Gertrud; „Die geheimnisvolle Welt der Zauberpflanzen und Hexenkräuter, Mythos und Magie heimischer Wild- und Kulturpflanzen“; BLV Buchverlag GmbH & Co. KG München, 3. durchgesehene Auflage/Neuausgabe ISBN: 978-3-8354-0260-7

  • Stumpf Dr., Ursula; „Unsere Heilkräuter, bestimmen und anwenden“; Franckh-Kosmos Verlags GmbH Stuttgart 2012 ISBN: 978-3-440-12705-6

  • Stumpf Dr., Ursula; „Von Magie bis Phytotherapie“; 3. erweiterte Auflage 2010, MedMedia-Verlag Kandern ISBN: 3-934-163-81-5

  • http://www.botanikus.de/

Heidrun Johner-Allmoslöchner, zertifizierte Heilpflanzenfachfrau, Leimen; www.naturwerkstatt-artemisia.de


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