PFLANZE DES MONATS JUNI (2017)

PFLANZE DES MONATS JUNI (2017)

Kriechender Günsel

Ajuga reptans, Lamiaceae (Lippenblütler)

Wenn wir jetzt draußen unterwegs sind strahlt uns an Weg- und Waldrändern aber auch von den Wiesen eine blaue Blume entgegen. Sie liebt den Halbschatten, gedeiht aber auch in der vollen Sonne, wichtig ist, dass der Boden nährstoffreich und etwas feucht ist. Es fällt auf, dass sie in Gesellschaft vieler Geschwister vorkommt. Der Grund dafür ist in ihrem botanischen Namen zu finden: „reptans“ bedeutet „kriechend“. Der kriechende Günsel bildet Ausläufer und so erklärt sich auch warum er immer in großer Gesellschaft zu finden ist. Die mehrjährige Pflanze ist recht häufig zu finden.

Name

Consolida, Donnerklee, Gurgelkraut, Kriechgünsel, Maiezäpfle, Weiber-Essen

Geschichte

In den alten Kräuterbüchern ist der kriechende Günsel erst ab dem 14. Jahrhundert eindeutig zuzuordnen. Ab dieser Zeit ist eine Pflanze namens „Cunsele“ oder „Gunsel“ beschrieben. Die Bezeichnung „Consolida“ wird mit „fest machen“, „zusammenfügen“ übersetzt, damit wird auf die wundheilende Wirkung, die das Kraut hat, hingedeutet. Vermutlich entwickelte sich daraus das Wort Günsel.

In einigen Landstrichen ist die Pflanze als Donnerklee bekannt, was auf eine Nutzung der Pflanze in vorchristlicher Zeit vermuten lässt. Als blaublühende Pflanze gehörte der Günsel zu den Gewitterpflanzen. Unsere Vorfahren glaubten, wenn sie die Pflanze ernteten, dann würde dies ein Gewitter auslösen. Nahm man die Pflanze gar mit nachhause, so drohte die Gefahr, dass der Blitz ins Haus einschlug! Dennoch wurde die Heilpflanze geerntet. Die Menschen kannten Ernterituale und achteten die Tage die den verschiedenen Göttern zugeordnet waren. Der kriechende Günsel, als Gewitterpflanze, war vermutlich dem Donnergott Thor (Donar) zugeordnet und wurde zu Heilzwecken am Donnerstag geerntet.

Verwechslung

Der kriechende Günsel (Ajuga reptans)kann mit dem Pyramidengünsel (Ajuga pyramidalis), dem Genfer Günsel (Ajuga genevenis) und der kleinen Braunelle (Prunelle vulgaris) verwechselt werden.

Inhaltsstoffe

Ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Aucubin, Anthocyane, Iridoidglycoside (Harpagosid, Harpagid)

Heilwirkung

Antibakteriell, entzündungshemmend, schmerzlindernd, wundheilend, zusammenziehend, appetitanregend, gallenflussanregend, leberstärkend, verdauungsfördernd, blutdrucksenkend.

Nebenwirkungen/Gegenanzeigen

Nicht bekannt.


Anwendung
innerlich:

Kriechender Günsel regt den Appetit an und unterstützt die Verdauung, vor allem die Fettverdauung, fördert das Immunsystem und kann bei rheumatischen Erkrankungen (Rheuma, Gicht, Gelenkschmerzen) angewendet werden.

äußerlich:

Bei Hauterkrankungen, -entzündungen, Wunden und (Sport) Verletzungen. Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum als Gurgelmittel.

Verwendung

Als Tee:

Günseltee schmeckt ausgesprochen herb und bitter. Das Heilkraut kann mit dem milderen Giersch 1:1 gemischt werden. Von dieser Mischung 1 Tl getrocknetes Kraut mit 250ml heißem Wasser übergießen und bedeckt 7-10 Minuten ziehen lassen (max. 3 Tassen pro Tag)

Heilsames

Sport- und Wundöl

20 g blühenden Günsel

20g blühenden Gundermann

20g Gänseblümchenblüten

500ml kaltgepresstes Olivenöl

evtl. 5 Tropfen ätherisches Immortellen Öl

So wird‘s gemacht:

Die frischen Kräuter einen Tag anwelken lassen und dann gut zerkleinert in ein Schraubglas geben. Mit Olivenöl übergießen und das Glas verschlossen auf die Fensterbank stellen. Täglich sanft schütteln. Nach 9 Tagen abseihen und evtl. 5 Tropfen ätherisches Immortellenöl dazugeben. In dunkle Flaschen füllen.

Bei Quetschungen, Prellungen, Hautentzündungen, blauen Flecken und zur Narbenbehandlung.

Günsel2

Herstellung eines Sportöls Foto: privat

Quellen:

Rudi Beiser; „Vergessene Heilpflanzen“ AT Verlag 2016

Siegrid Hirsch, Felix Grünberger: „Die Kräuter in meinem Garten“ Freya Verlag 2012

Heidrun Johner-Allmoslöchner, zertifizierte Heilpflanzenfachfrau, Leimen; www.naturwerkstatt-artemisia.de


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