PFLANZE DES MONATS DEZEMBER (2017)

PFLANZE DES MONATS DEZEMBER (2017)

Mistel
Viscum Album, Mistelgewächse/Loranthaceae

 

Wenn im Spätherbst der Wind alle Blätter von den Bäumen gefegt hat, dann wird die Mistel für den Wanderer sichtbar. In luftiger Höhe scheinen kleine Sträucher aus den Bäumen zu wachen. Die grünen Kugeln können recht groß werden und große Teile des Baumes einnehmen. Die Mistel ist ein Halbschmarotzer, das bedeutet, dass sie einen Wirtsbaum benötigt, dem sie Nährstoffe entzieht. Der kleine Strauch gedeiht auf verschiedenen Obstbäumen und Nadelgehölzen, sowie recht häufig auf Pappeln. Die Mistel ist immergrün und erreicht eine Höhe von 20 bis 60 cm. Zwischen Februar und April erscheinen die kleinen gelben Blüten zu 3 bis 5 Stück geknäult in den kleinen Astgabeln. Im Spätherbst erscheinen dann ihre weißen, klebrigen Beeren, die besonders bei Vögeln sehr begehrt sind. Der kugelige Pflanzenparasit ist gabelig verzweigt, seine Blätter sind ledrig, ganzrandig und spatelförmig, die wie die Stängel gelbgrün sind. Für ihre Verbreitung nutzt sie die Vögel (v.a. Drosseln), die die klebrigen Früchte gerne als Winterfutter nutzen und die am Schnabel klebenden Samen an der Baumrinde abstreifen. So sorgen sie für weiteren „Mistelnachwuchs“. Auf ihrem Wirtsbaum angekommen keimt der Mistelsamen und die Würzelchen bilden eine Haftscheibe, die einen Fortsatz ausbildet, die sogenannten Senker. So im Wirtsbaum tief verankert, entzieht die Mistel dem Baum Wasser und Nährsalze. Ihren Bedarf an Kohlenstoff kann der Halbparasit selbst decken, den die Mistel besitzt Chlorophyll, mit der sie Photosynthese betreiben kann.

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Mistelbeeren, Foto: Privat
Name
Affalter, Affolter, Albranken, Baumkraut, Donarbesen, Donnerbesen, Druidenmistel, Drudenfuß, Fallkraut, Häxeberi, Heil-aller-Schäden, Hexenbesen, Hexennest, Immergrün, Klüster, Knisterholz, Heilig Kreuzholz, Leimbalm, Marienstocken, Mispel, Muschele, Nistel, Schnudelbeeren, Vogelleim, Vogelmistel, Wachsbeere, Wintersamen.
Die botanische Bezeichnung „Viscum“ steht für „Leim“. Viscum wird auch mit Viskosität in Verbindung gebracht. „Albus“ bezeichnet die weiße Farbe der Beeren. Der Name „Mistel“ leitet sich wahrscheinlich von „Mist“ ab, da die Samen durch Vogelmist verbreitet werden.

Geschichte
Miraculix wusste es! Die Mistel ist eine magische, heilkräftige Pflanze. Plinius berichtete über die „Alles Heilende“ und das dazu gehörende Ernteritual. Sie glaubten, dass die Mistel direkt vom Himmel auf den Baum gefallen sei. Um sie zu ernten. Geerntet wurde sie im Winter, als Symbol der Wiederbelebung der Sonnenkraft. Als besonders heilkräftig und heilig galt den Druiden die Eichenmistel. Am 6. Tag nach einem Winterneumond erntete der Druide die Mistel mit einer „goldenen Sichel“. Zuerst wurde unter dem Baum gegessen und geopfert. Dann wurden zwei weiße Stiere, die zum ersten Mal ein Joch trugen und deren Hörner mit Kränzen geschmückt waren unter den Baum geführt. Der Weiß gekleidete Druide stieg auf den Baum und schnitt die Mistel, die unten mit einem weißen Tuch aufgefangen wurde. Die Mistel durfte nicht die Erde berühren, ansonsten verlor sie ihre Heil- und Zauberkraft. Anschließend wurden die beiden Stiere feierlich geschlachtet, und zu den Göttern gebetet, damit die Mistel Segen bringe. Das Erntegut wurde für Heiltränke genutzt um unfruchtbare Tiere fruchtbar zu machen, und als Heilmittel gegen allerlei Krankheiten und Gifte.
Verwechslung
Mit der Riemenblume, der sogenannten Eichenmistel, die jedoch sehr selten in unseren Breiten zu finden ist.

Inhaltsstoffe
Mistellektine, Bitterstoffe, Harz, Histamin, Lignane, Saponine, Schleim, Viscalbin, Viscin in den Früchten, Viscotoxin und Inhaltsstoffe der Wirtspflanze.

Heilwirkung
kreislaufregulierend, blutstillend, blutzuckersenkend, blutdrucksenkend, herzstärkend, krampfwidrig, wundheilend, rheumawidrig, zellregenerierend, immunstimmulierend, schmerzstillend, antiepileptisch

Bei der inneren Anwendung von Misteltee sind keine Nebenwirkungen bekannt. Mistelpräparate: Bei sensiblen Menschen allergische Reaktionen, bei Überdosierung Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, bei injizierten Miste-Präparaten lokale Entzündungen, Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen und Kreislaufstörungen.
Bei eiweißüberempfindlichkeit, Tuberkulose, Schwangerschaft, Stillzeit.
Die Mistel kann herzwirksame Medikamente oder auf das Zentralnervensystem wirkende Medikamente verstärken.

Anwendung
Innerlich:
1. leicht erhöhter Blutdruck, Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden, Schwindelanfälle, Reizbarkeit, nervöse Herzbeschwerden, stärkt zusammen mit Weißdorn den Herzmuskel bei Altersherz oder nach Infektionskrankheiten
2. zur unspezifischen Reiztherapie bei entzündlichen Gelenkserkrankungen (Arthrose, Ischias, Kniegelenkarthrosen)
3. stimuliert das Immunsystem und die zellulären Abwehrmechanismen. Deshalb werden Mistelpräparate in der Krebstherapie eingesetzt.
4. Unfruchtbarkeit, Endometriose, Myome, Brustknoten (Apfelmistel)

Äußerlich:
1. Kalte Füße (Fußbad)
2. Erfrierungen (Salbe)

Tagesdosis
Tee als Kaltauszug, 1-2 Tassen täglich 1 Tl. Mistelkraut mit 250 ml kaltem Wasser übergießen. Den Ansatz mindestens 8 bis 10 Stunden (am besten über Nacht) ziehen lassen. Ansatz absieben, ggf. auf Trinktemperatur erwärmen. Teekur: maximal 4-6 Wochen.
Bei Fertigpräparaten keine Eigenmedikation!

 

Verwendung
Tee, Tinktur, Blütenessenz, Homöopatika, Salbe, Räucherwerk

Kommission E
degenerativ entzündlichen Gelenkerkrankungen
als Begleittherapie bei Krebserkrankungen

Heilsames
Mistel-Bad (nach Adelheid Lingg)
Ein Mistel-Bad wirkt anregend bei schwachem Kreislauf und kalten Füßen.
Für das Vollbad eine handvoll Mistelblätter, für ein Teilbad (Fußbad) eine halbe Hand voll. Die Blätter mit einem Liter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Den Sud ins Badewasser abseihen. Die Badedauer sollte nicht länger als 15 bis 20 Minuten sein.

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Apfelbaum mit Misteln, Foto: Privat

 

Räuchern
Die Mistel gehört zum klassischen Räucherwerk in der Weihnachtszeit und in den Rauhnächten. Der traditionelle Erntezeitpunkt für die Mistel ist die Wintersonnwende (21. Dezember).
Mistelräucherungen duften krautig und unterstützen uns mit uns selbst in Einklang zu kommen. Sie unterstützt uns darin unser Leben zu strukturieren. Sie bringt Leichtigkeit, wo sich schwere und langsam schwingende Energien eingeschlichen haben, transformiert diese und neutralisiert sie. Gleichzeitig beruhigt die Mistel und schenkt schöne Träume.

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Junge Mistel, Foto: Privat


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